Teepe, Harald

Welche Bedeutung haben die Neurowissenschaften für die Fremdsprachendidaktik?

Thesis
Filetyp: PDF
Size: 9580 Kb

DK

RSWK


Doctoral Dissertation accepted by: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen , Philosophische Fakultät, 2005-06-02

Zusammenfassung

Heute wird mehr und mehr gefordert, zur Lösung von Erziehungs- und Bildungsfragen Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Forschung zu rezipieren. Dieser Ansatz gilt international als zukunftsfähig und notwendig, was sich nicht zuletzt in der Arbeit der OECD widerspiegelt, die im Jahr 2004 in verschiedenen Staaten Konferenzen unter den Titel „Brain and Learning“ gestellt hat. So versucht auch seit längerem die Fachdidaktik Englisch (FE), neurowissenschaftliche Erkenntnisse mit fachdidaktischen Theorien und Handlungsempfehlungen für die Praxis zu integrieren. Parallel will die Neurodidaktik (ND) als neue Disziplin mithilfe der Neurowissenschaften (NW) zu neuen Erkenntnissen gelangen, die in pädagogisches Wirken münden. Die Praktikabilität der ND und anderer Ansätze, neurowissenschaftliche Erkenntnisse auf die Didaktik zu übertragen, werden aber auch bezweifelt. ZIELE: In dieser Dissertation wird geklärt, ob Zweifel berechtigt sind und wie zukünftig das Verhältnis zwischen der Fremdsprachendidaktik (FD) und den NW zu gestalten ist. Hierzu wird untersucht, wie innerhalb der FE AutorInnen mithilfe der NW versuchen, neues Licht auf die Theorie und Praxis des fremdsprachlichen Lernens zu werfen, um zwischen geeigneten und überholten Theorien und Methoden zu unterscheiden. Ein weiteres Ziel besteht darin, den Weg für eine effektive Kooperation zwischen den Neurowissenschaften und der Fremdsprachenforschung zu ebnen. METHODE: Die Methode gliedert sich in zwei Teile. Zunächst wird hauptsächlich die FE in den Blick genommen und in einem ersten Schritt deren Rezeption neurowissenschaftlicher Erkenntnisse im Zeitraum von 1990 bis 2004 historisch-systematisch analysiert. Die Analyse erfolgt qualitativ in Bezug auf folgende thematische Schwerpunkte: 1) die Repräsentation von Sprache im Gehirn, 2) den Paradigmenwechsel vom Symbolismus zum Konnektionismus sowie 3) verschiedene Aspekte des Lernens und des Gedächtnisses. in einem zweiten Schritt werden auf der Basis der Datenlage Empfehlungen für eine zukünftige Kooperation zwischen der FD und den Neurowissenschaften entwickelt. ERGEBNISSE: Es zeigt sich, dass der Brückenschlag zwischen der FE und den NW meist wenig überzeugt: Es fällt zum Beispiel auf, dass die FE a) Modelle überinterpretiert, b) Schlüsse aus ungeeignet ausgewählten und/oder zu wenigen Publikationen der NW zieht, deren Ergebnisse noch vorläufig sind sowie c) neurowissenschaftliche Fachtermini nicht treffgenau verwendet. Aus diesen und anderen Gründen gelingt es der FE kaum, Theorien, Methoden und Techniken für den Unterricht zu legitimieren oder mithilfe der NW neue zu formulieren. FOLGERUNGEN: Es wird diskutiert, wie zukünftig das Verhältnis zwischen der FD und den NW zu definieren ist: Je weiter der Blickwinkel einer Studie der FE ist, desto oberflächlicher erscheinen ihre Ergebnisse. Dies trägt nicht dazu bei, konkrete Themen und spezielle Fragen der FD anzugehen. So hilft es beispielsweise nicht beim Vokabellernen, wenn man weiß, dass Lernen im Wesentlichen mit dem Ändern von Synapsengewichten einhergeht. Vielmehr sollten sich Studien hauptsächlich auf einen Aspekt von Spracherwerb oder –verarbeitung konzentrieren. Das Thema ‚Frühbeginn des Fremdsprachenunterrichts’ wird als ein realistisches Beispiel für ein transdisziplinäres Forschungsprojekt vorgeschlagen: Zum ein verschafft die weitere Erforschung der Repräsentation von Sprache im Gehirn in Abhängigkeit vom Alter und Beherrschungsgrad neue Einblicke in die Beziehung zwischen Verhalten und neuronaler Aktivität. Zum anderen können neue Erkenntnisse unter Berücksichtigung dessen, was bereits über die Informationsverarbeitung des Gehirns bekannt ist, dazu beitragen, Schülerinnen und Schülern möglichst optimale Lernbedingungen zu schaffen.

Betreuer
Gutachter Butzkamm, Wolfgang, Prof. Dr.
Gutachter Huber, Walter, Prof. Dr.


Upload: 2005-08-02
URL of Thesis: http://sylvester.bth.rwth-aachen.de/dissertationen/2005/141/05_141.pdf

Technical University of Aachen, Library
Templergraben 61, D-52062 Aachen Germany